Wir haben das Spiel verloren — und dabei gewonnen

Hundetraining mit Bollermann: Strategie bewusst ausgeblendet, Spiel verloren, Vertrauen gewonnen. Was das mit Unternehmertum zu tun hat — und warum 'verlieren = lernen' der entscheidende Frame-Shift ist.

Thilo Pfeil|21. April 2026|6 Min. Lesezeit
Trainer und Hund im Fokus auf einem Uebungsfeld, verschwommenes Spielfeld im Hintergrund

Wir haben das Spiel verloren.

Und ich war trotzdem der Gewinner an diesem Tag.

Das klingt nach Selbsttaeuschung. Nach dem Spruch, den Verlierer sich erzaehlen, damit es nicht so wehtut. Aber hoer mir kurz zu — denn was im Hundetraining passiert ist, passiert Unternehmern jeden Tag. Nur meistens ohne dass sie es merken.

Das Spiel

Heute hatte ich Hundetraining mit Bollermann. Auf dem Programm: Schiffe versenken. Jeder Punkt auf dem Spielfeld stand fuer eine Uebung — Hund und Mensch zusammen, eine Aufgabe nach der anderen.

Ich haette gewinnen koennen. Haette ich strategisch gedacht: welche Felder decken wir ab, welche Reihenfolge maximiert unsere Punkte, wie schlagen wir den Gegner.

Habe ich aber nicht.

Stattdessen habe ich die Strategie komplett ausgeblendet. Ich habe mich auf die einzelne Uebung vor mir konzentriert. Die Verbindung zu Bollermann in diesem Moment. Den naechsten Schritt. Nur das.

Ergebnis: Spiel verloren. Uebungen sauber ausgefuehrt — gut bis sehr gut. Und Bollermann und ich haben etwas gewonnen, das sich in keiner Punktetabelle abbildet: Vertrauen.

Warum das kein Hundetraining-Post ist

Jetzt kommt der Teil, den ich als Unternehmer so wichtig finde:

Wie oft verlierst Du ein Spiel, weil Du strategisch denken wolltest — und dabei das Wesentliche verschlaefst?

Ich sehe das bei Gruendern, Selbstaendigen, Fuehrungskraeften staendig. Sie sitzen im Kundengespräch und denken gleichzeitig: Wie schliesse ich den Deal ab? Was sage ich als naechstes? Welchen Einwand muss ich entkraeften? — Und genau in diesem Moment verpassen sie, was der Kunde wirklich sagt.

Sie sind bei der Strategie. Nicht beim Menschen gegenueber.

Oder sie beginnen ein Projekt — und noch vor dem ersten Schritt analysieren sie Skalierbarkeit, Exit-Szenarien, Marktpositionierung. Das Ergebnis: Lahmung. Weil die Strategie groesser ist als die Handlungsfaehigkeit.

Monotasking bedeutet nicht nur, eine App zu schliessen. Es bedeutet: Einen Fokus waehlen und konsequent halten — auch wenn das kurzfristig nach Verlieren aussieht. Dieses Reframing hat eine Alltags-Version, die jeder sofort umsetzen kann: ein Tag ohne Fokus ist kein verlorener Tag.

Der Frame-Shift: Verloren = Gelernt

Der entscheidende Reframe ist dieser: Verlieren ist kein Misserfolg, wenn Du das Richtige gelernt hast.

Das klingt einfach. Es ist es nicht. Denn in unserer Kultur — besonders in Unternehmer-Kreisen — gilt Verlieren als Versagen. LinkedIn-Feed voll mit Wins, mit Wachstumskurven, mit Meilensteinen. Wer verliert, spricht nicht darueber.

Aber was waere, wenn Verlieren die effizienteste Lernmethode waere?

Hier sind vier konkrete Schritte, wie Du den Frame-Shift aktiv nutzt:

Schritt 1: Das Ziel hinter dem Ziel benennen

Bevor Du eine Aufgabe beginnst, frag Dich: Was will ich wirklich aus dieser Situation mitnehmen? Nicht das offensichtliche Ziel (das Spiel gewinnen, den Deal abschliessen, das Projekt liefern) — sondern das tiefere Ziel dahinter.

Bei mir im Hundetraining: Ich wollte die Verbindung zu Bollermann staerken. Das war das echte Ziel. Das Spiel war nur der Container.

Im Business: Willst Du in diesem Meeting den Auftrag — oder das Vertrauen des Kunden? Beides ist moeglich, aber wenn Du auswaehlen muesstest, was ist wirklich der Gewinn?

Schritt 2: Eine Sache, eine Metrik

Wenn Du weisst, was das echte Ziel ist, kannst Du entscheiden: Woran messe ich Erfolg heute? Nicht zehn Kennzahlen. Eine.

Das zwingt Dich dazu, Prioritaeten wirklich zu setzen — nicht auf dem Papier, sondern in der Praxis. Denn mit einer einzigen Metrik kannst Du waehrend der Situation checken: Bin ich noch auf Kurs?

Bollermann und ich: Metrik war die Qualitaet der Uebungen. Nicht die Punkte.

Schritt 3: Den naechsten Schritt vollstaendig tun

Das ist der Kern von Monotasking — und der Schritt, der am schwersten faellt.

Nicht den uebernachsten Schritt denken. Nicht die Konsequenzen des aktuellen Schritts optimieren. Den Schritt jetzt, vollstaendig, mit voller Aufmerksamkeit ausfuehren.

Was dabei entsteht, ueberrascht regelmaessig: Qualitaet, die mit geteilter Aufmerksamkeit nicht moeglich waere. Verbindung — zu Kunden, Mitarbeitern, Ideen — die entsteht, wenn jemand wirklich praesent ist.

Schritt 4: Den Verlust ehrlich benennen — und einpreisen

Das ist der Schritt, den die meisten ueberspringen.

Wenn Du strategischen Fokus aufgibst, verlierst Du etwas. Das Spiel. Den kurzfristigen Vorteil. Manchmal den Deal. Das ist real und es ist okay.

Wer sich einredet, dass Verlieren gar kein Verlieren ist, luegt sich an. Der ehrliche Satz ist: "Ich habe heute das Spiel verloren. Ich habe es bewusst in Kauf genommen, weil ich etwas Wichtigeres gewonnen habe."

Das ist Integrität. Nicht Rationalisierung.

Beim naechsten Mal — im Hundetraining wie im Business — kannst Du dann entscheiden: Ist heute der Tag, an dem beides geht? Oder muss ich wieder waehlen?

Bollermann und ich werden beim naechsten Mal doppelt gewinnen. Weil wir das Fundament gelegt haben, auf dem Strategie und Verbindung zusammenpassen. Aehnliche Reframing-Erfahrungen aus einer noch radikaleren Stille-Erfahrung: Kloster-Woche — Stille trainieren.

Nein — und der Unterschied ist entscheidend. Eine bewusste Entscheidung, die Strategie zurueckzustellen, ist das Gegenteil von schlechter Vorbereitung. Du musst wissen, was Du tust und warum. Schlechte Vorbereitung ist passiv: Du hast keine Strategie. Der Frame-Shift hier ist aktiv: Du hast eine Strategie und entscheidest bewusst, sie zurueckzustellen, weil Du etwas Wichtigeres priorisierst. Das erfordert Klarheit ueber Deine eigentlichen Ziele — und das ist anspruchsvoller als blinde Optimierung.

Mono-Fokus ist dann sinnvoll, wenn die Qualitaet der Ausfuehrung wichtiger ist als das kurzfristige Ergebnis — also in Lernphasen, beim Aufbau von Vertrauen, bei kreativer Arbeit oder bei komplexen Beziehungsgespraechen. Er schadet, wenn Du in einer Phase bist, in der strategische Konsequenz entscheidend ist: beim finalen Pitch, bei Verhandlungen, bei Deadlines, die wirklich zählen. Der Schluessel ist zu wissen, in welcher Phase Du gerade bist — und die Entscheidung bewusst zu treffen. Das theoretische Fundament liefert Eine Sache, null Ablenkung.

Ja — und es ist einer der wirksamsten Fuehrungs-Hebel, den kaum jemand nutzt. Wenn Du Deinem Team erlaubst, in bestimmten Phasen zu "verlieren" (einen Auftrag nicht zu bekommen, eine Deadline leicht zu reissen), um dafuer wirklich etwas zu lernen oder echte Qualitaet aufzubauen, sendest Du ein Signal: Lernen ist legitim. Das erhoeht die psychologische Sicherheit und damit langfristig die Leistung. Voraussetzung: Du musst klar kommunizieren, was die Phase ist — Lernphase oder Deliveryphase. Beide gleichzeitig ist meistens eine Luege.

'Fail fast' ist ein Prozess-Prinzip: Teste Annahmen schnell, um fruehzeitig herauszufinden, was nicht funktioniert — und justiere. Das ist wertvoll. Der Reframe hier geht tiefer: Es geht nicht um schnelles Scheitern als Methode, sondern um die bewusste Entscheidung, kurzfristig zu verlieren, weil Du ein anderes Ziel priorisierst. Das ist strategisches Verzichten. Nicht Fehlervermeidung, sondern Gewinn-Umdefinition.

Du kannst Dir nicht leisten, unkontrolliert zu verlieren. Aber Du verlierst sowieso — jeder Unternehmer tut das. Die Frage ist nur, ob Du es bewusst tust oder ob es Dir passiert. Wer nie bewusst auf kurzfristige Gewinne verzichtet, baut keine echten Faehigkeiten auf — er optimiert bestehende. Irgendwann reicht das nicht mehr. Das bewusste "Verlieren" in kontrollierten Situationen (Lernphasen, Neues ausprobieren, Vertrauen aufbauen) ist die Investition, die spaeter Rendite bringt.

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